Ratgeber Weinlagerung

Die richtige Weinlagerung zuhause bringt viele Vorteile

Ein Wein-Vorrat zuhause ermöglicht die Auswahl eines guten Tropfens zu den verschiedensten Gelegenheiten. Sei es der passende Wein zu einem guten Essen, die Bewirtung von Gästen oder das Entkorken einer außergewöhnlichen Kreszenz anlässlich eines besonderen Anlasses (Geburtstag, Hochzeit, etc.)

Wein gehört zu den langlebigen, besonders interessanten und begehrten Genussmitteln. Das Jahr ihrer Erzeugung wird bei vielen Weinen als Jahrgangszahl auf dem Etikett gekennzeichnet, was sie zum „geschmackvollen“ Dokument der Zeitgeschichte macht. Wein ist somit prädestiniert zum Sammeln und Aufbewahren. Jahrgangsweine gelten überdies als beziehungsreiche Präsente. Neben dem ideellen Aspekt spielt für langlebige und hochwertige Weine - vor allem aus renommierten Gütern und Lagen - zudem der finanzielle Gesichtspunkt eine Rolle: Einwandfreie Lagerung vorausgesetzt, zeichnen sie sich durch konstante und oft beachtliche Wertsteigerungen aus, so dass sie auch als Kapitalanlage empfohlen werden.

Fachgerecht gelagert, verbleiben Weine lange in einem guten Reifestadium. Oftmals verbessern sich die Reife und damit der Trinkgenuss der Weine noch.

Weine sammeln und ihre Entwicklung zu beobachten, ist ein reizvolles und lohnendes Hobby, bei dem sich der Wein-Amateur allmählich zum Profi entwickeln kann.

Unabhängig von der Flaschenzahl, die man für eine längere Aufbewahrung vorsieht, sollten jedoch stets bestimmte Mindestvoraussetzungen für ihre Lagerung gegeben sein.


Wichtige Regeln für das optimale Lagern von Wein: kühl und dunkel

Temperatur

Entscheidendes Kriterium für die langfristige Einlagerung ist die optimale Temperatur. Chemische Reaktionen der Weinreifung laufen bei Temperaturen unter 10°C langsamer ab als bei höheren Temperaturen. Deshalb reift und altert Wein bei höheren Temperaturen schneller und wird verliert dadurch eher an Qualität.

Aber auch größere Temperaturschwankungen schaden der Weinqualität. Weinlagerung bei Raumtemperaturen, die jahreszeitlich abhängig stark differieren (z. B. im Winter unter 10°C, im Sommer über 20°C), beschleunigt die Reifeentwicklung und beeinträchtigt den qualitativen Zustand der Weine innerhalb relativ geringer Zeit. Noch weniger geeignet sind Räumlichkeiten, deren Temperaturen in kürzeren Zeitabständen (z. B. im 24-Stunden-Rhythmus) größeren Schwankungen unterliegen. Die hier aufbewahrten Weine werden in ihrem „inneren Gleichgewicht“ empfindlich gestört, so dass sie besonders schnell altern und abbauen.

Die empfohlene Lagertemperatur für Weißweine beträgt 8° bis zu 12°C und für Rotweine bis zu 16°C. Rotweine mit geringeren Lagertemperaturen als 16°C sollten durch langsame Erwärmung auf ihre übliche Trinktemperatur bis 18°C gebracht werden.

Luftfeuchtigkeit

So vorteilhaft Ihre trockenen Kellerräume ansonsten auch sein mögen, für eine längere Weinlagerung sind sie ungeeignet. Denn in zu trockenen Lagerräumen können die Korken allmählich austrocknen, so dass sie schrumpfen, undicht werden und zum Auslaufen des Weines führen.

Durch Verdampfen des Kondenswassers von Klimageräten im Weinkeller kann sich zwar eine gewisse Luftfeuchtigkeit bilden. Wenn sie – vor allem in größeren Lager- bzw. Kellerräumen – nicht ausreicht, kann ein Luftbefeuchter den Feuchtigkeitsgehalt auf den erforderlichen Wert bringen.

Die Luftfeuchtigkeit zur längeren Aufbewahrung von Wein sollte zwischen 60 % und 80% betragen. Ein wesentlich höherer Wert kann zu Schimmelbildung auf (Holz-)Regalen, Flaschenkapseln und Weinetiketten führen.

Geruch & Vibration

Weine sollten möglichst in einer geruchsneutralen Atmosphäre lagern, da sich Gerüche nach einer gewissen Zeit auch auf den Wein übertragen.

Außerdem sind Weine gegenüber ständigen leichten Erschütterungen beispielsweise durch in der Nähe installierten Aggregaten sensibel. Auch unter solchen Lagerbedingungen wird man an seinen Schätzen langfristig keine Freude haben.

Lichtverhältnisse

Eine zu starke Helligkeit, bzw. UV-Strahlung schadet ebenfalls dem Wein. Am besten ist er in Dunkelheit aufgehoben. Man sollte deshalb auch von einer längeren Beleuchtung im Weinkeller absehen. Dazu strahlen viele Leuchten Wärme ab, was sich auch negativ auf die Lagerung auswirkt. Hier verwendet man besser LED-Licht mit geringer Wärmeentwicklung.

Müssen Weinflaschen noch liegend lagern?

Forscher der Weinuniversität Geisenheim haben in einer Langzeitstudie herausgefunden, dass es kaum einen Unterschied macht, ob Weinflaschen stehend oder liegend gelagert werden. Das befürchtete Austrocknen des Korkens, wenn er nicht mehr von Wein umspült wird, findet wohl nicht statt. Dazu sollte aber die Luftfeuchtigkeit nicht zu gering sein. Bei einer höheren Luftfeuchtigkeit trocknet der Korken nicht aus. Zudem werden heutzutage vermehrt Schraub-, Glas und Kunststoffverschlüsse verwendet. Allerdings benötigen stehende Flaschen mehr Platz als liegende. Auch das Auffinden einzelner Flaschen ist bei liegender Aufbewahrung einfacher.


Weinlagerung im Weinregal: woran muss man denken?

Da viele Weine erst nach einiger Zeit Ihre optimale Trinkreife entwickelt haben und auch kein Wein direkt nach dem Kauf getrunken wird, müssen die Flaschen irgendwo lagern. Dafür gibt es eine große Auswahl an Weinregalen. Um das passende zu finden, sollten man sich überlegen:

  • Wie viele Flaschen möchte ich unterbringen (Anzahl von Modulen bzw. Regalssystemen)
  • Erweiterungsmöglichkeiten (Reserven für spätere Ergänzungen berücksichtigen)
  • Montage (viele Regale können einfach zusammengesteckt werden)
  • Funktionalität/Handhabung bei der Nutzung (Bestücken und Herausnehmen der Flaschen, Einzellagerung oder neben-/übereinander)
  • Evtl. zusätzliche Aufbewahrung von Weinkisten (6er oder 12er Fl.) oder Großflaschen (Magnum, Doppelmagnum) sowie Spezialflaschen (Bocksbeutel, 0,35 Ltr.)
  • Möglichkeit zur zusätzlichen Aufbewahrung von anderen Getränken (Mineralwasser, Säfte)
  • Aufbewahrung von Weinzubehör (Korkenzieher, Dekantierer, etc.)

Wie plane und baue ich einen Weinkeller?

Parallel zur weltweit gestiegenen Nachfrage nach exquisiten und wertbeständigen Weinen wurden in den letzten Jahren exklusive Weinkellereinrichtungen im Privathaushalt geradezu trendy.

Lage, Größe und Ausstattungs-Merkmale für den heimischen Weinkeller sollten möglichst schon bei der Hausplanung festgelegt werden. Aber auch nachträglich ist die Umgestaltung eines passenden Keller- oder Lagerraums zum Weinkeller möglich.

Bei der Planung sollte die oben beschriebenen Regeln für das Lagern von Wein unbedingt einbezogen werden sowie die Anzahl der zu lagernden Flaschen.

Die richtige Klimatisierung ist wichtig für eine langfristige Lagerung

Vor dem Einbau eines Klimagerätes muss der Keller isoliert werden. Die Isolierung (Wärmeschutz) hat die Aufgabe, die Wärmeübertragung zwischen innen und außen zu verringern, dabei spielen auch sonstige Wärmequellen wie Heizungsrohre, darüber liegende Fußbodenheizung und warme Nebenräume eine Rolle. Ein gut isolierter Raum trägt zu einer längeren Lebensdauer des Weinklimagerätes bei. Vorhandene Fenster sollte man mit Isolierglas ausstatten und evtl. verdunkeln. Der beste Wärmedämmstoff für die Isolation ist 6 cm dicker Styrodur.

Welche Arten von Klimageräten gibt es?

Für eine professionelle Klimatisierung stehen schallgedämmte Geräte mit unterschiedlicher Klimatisierungsleistung zur Verfügung, die an die jeweilige Raumgröße angepasst sind. Sie lassen sich relativ einfach installieren.

Dabei unterscheidet man je nach Raumverhältnissen zwischen Monoblock-Geräten (Einbau eines einzelnen Gerätes in die Wand), Splitgeräten (das Gerät zur Kühlung steht im zu kühlenden Raum, der Kompressor außerhalb) und kanalgeführten Kühlsystemen (das Gerät befindet sich in einem externen Raum so dass es im Weinkeller nicht sichtbar ist. Im Inneren des Kellers befindet sich lediglich ein Gitter, das durch ein flexibles, isoliertes Rohr mit dem Kühlgerät verbunden ist). Ist ein Einbau in eine Kellerwand nicht möglich, ist die unkomplizierte Installation einer Klimatür (mit einem von außen nicht sichtbaren Klimagerät) besonders für kleinere Räume (bis 15 m³) die technisch ideale Lösung. Eine häufige Wartung ist nicht nötig; der Filter sollte aber einmal im Jahr ausgewechselt werden.

Sollte der Keller zu trocken sein, besteht die Gefahr des Austrocknens der Korken, was auch zu einem Qualitätsverlust der Weine führt. Hier schafft ein Luftbefeuchter Abhilfe. Unser Tipp: Kontrollieren Sie bei edlen Weinen die Luftfeuchtigkeit des Weinlagers. Hierfür eignet sich ein entsprechender Thermograph/Hydrograph.

Übrigens: einen Weinkühlschrank sollten Sie nicht in ihren Weinkeller stellen, da er zu viel Wärme abgibt.

➔ Hier finden Sie Informationen zum Weinkellerbau