Die richtige Luftfeuchtigkeit im Weinkeller: Unterschiede zwischen Fasskeller und Flaschenkeller
Warum die Luftfeuchtigkeit in historischen Bordeaux-Kellern so hoch ist
Wer historische Weingüter in Bordeaux besucht, bemerkt schnell, dass die Luftfeuchtigkeit in vielen traditionellen Kellern deutlich höher liegt als in modernen Weinlagern. Werte zwischen 80 und 90 % relativer Luftfeuchtigkeit sind dort keine Seltenheit. Daraus entsteht häufig die Annahme, dass eine derart hohe Luftfeuchtigkeit für die optimale Reifung von Wein erforderlich sei. Tatsächlich hat die hohe Feuchtigkeit jedoch vor allem historische und praktische Gründe, die eng mit der Fasslagerung zusammenhängen.
Hohe Luftfeuchtigkeit schützt die Eichenfässer
In den klassischen Châteaux von Bordeaux reift Wein oft über viele Monate in Eichenfässern, den sogenannten Barriques. Holz ist ein natürlicher Werkstoff, der auf seine Umgebung reagiert. Sinkt die Luftfeuchtigkeit zu stark ab, können die Fassdauben austrocknen und sich zusammenziehen. Dadurch steigt das Risiko von Undichtigkeiten und Verdunstungsverlusten.
Eine hohe Luftfeuchtigkeit hält die Fässer in einem stabilen Zustand und reduziert gleichzeitig den sogenannten „Angel's Share“, also den natürlichen Verlust von Wein durch Verdunstung. Aus diesem Grund wurden viele Fasskeller bewusst unterirdisch angelegt, wo sich ganzjährig eine hohe Luftfeuchtigkeit einstellt.
| Bereich | Typische Luftfeuchtigkeit |
|---|---|
| Fasskeller (Barriques) | 80–90 % |
| Flaschenlagerung | 60–75 % |
| Moderne klimatisierte Weinkeller | 60–75 % |
Die oft zitierte hohe Luftfeuchtigkeit historischer Bordeaux-Keller dient daher in erster Linie dem Schutz der Holzfässer und nicht der späteren Lagerung abgefüllter Weinflaschen.
Für Flaschenlagerung sind deutlich niedrigere Werte ausreichend
Sobald ein Wein abgefüllt und verkorkt ist, ändern sich die Anforderungen an den Lagerraum deutlich. Der Wein befindet sich nun in einer geschlossenen Flasche und steht nicht mehr in direktem Kontakt mit der Umgebungsluft.
Die Luftfeuchtigkeit hat jetzt hauptsächlich die Aufgabe, den Naturkorken vor dem Austrocknen zu schützen. Dafür sind jedoch keine extrem hohen Werte erforderlich. Bereits eine relative Luftfeuchtigkeit von über 50 % reicht aus, damit Naturkorken ihre Elastizität behalten. In der Praxis haben sich Werte zwischen 60 und 75 % als ideal erwiesen.
Zu hohe Luftfeuchtigkeit kann sogar Nachteile haben
Während hohe Luftfeuchtigkeit für Barriquefässer sinnvoll ist, kann sie bei der Flaschenlagerung unerwünschte Folgen haben. Besonders bei Werten von dauerhaft über 80 % beginnen Etiketten häufig zu wellen oder Schimmel anzusetzen. Auch Kartons, Holzkisten und andere Verpackungsmaterialien können unter der Feuchtigkeit leiden.
Gerade Sammler hochwertiger Weine legen oft großen Wert auf den Zustand der Flaschen und Etiketten. Für die Werterhaltung einer Sammlung sind daher Luftfeuchtigkeitswerte im Bereich von 60 bis 75 % meist deutlich günstiger als die Bedingungen eines klassischen Fasskellers.
Wie erhöhe ich die Luftfeuchigkeit meines Kellers?
Zusätzlich kann bei zu trockenen Weinkellern mit einer Luftfeuchtigkeit von unter 50 % ein Hygromaster bzw. Luftbefeuchter eingesetzt werden. Dabei ist jedoch zu beachten, dass solche Geräte bei einer typischen Weinkellertemperatur von etwa 12 °C in der Regel eine Luftfeuchtigkeit von rund 65 % erreichen. Dieser Wert liegt im optimalen Bereich für die Weinlagerung und hilft dabei, ein Austrocknen der Korken zu verhindern.
Temperatur ist wichtiger als Luftfeuchtigkeit
Ein weit verbreiteter Irrtum besteht darin, dass eine besonders hohe Luftfeuchtigkeit die Reifung des Weines verbessert. Die eigentlichen Reifungsprozesse finden jedoch innerhalb der verschlossenen Flasche statt. Die Luftfeuchtigkeit hat darauf kaum direkten Einfluss.
Deutlich wichtiger ist eine möglichst konstante Lagertemperatur. Als ideal gelten Temperaturen zwischen 10 und 14 °C. Je höher die Temperatur, desto schneller laufen Alterungsprozesse im Wein ab. Starke Temperaturschwankungen können zudem den Korken belasten und die Lagerbedingungen verschlechtern.
Ein kühler, temperaturstabiler Keller trägt deshalb wesentlich mehr zur optimalen Weinreifung bei als eine besonders hohe Luftfeuchtigkeit.
Eichenholzregale sind für Weinkeller bestens geeignet
Immer wieder wird die Frage gestellt, ob Eichenholzregale in Weinkellern mit höherer Luftfeuchtigkeit eingesetzt werden können. Tatsächlich werden Regale, Balken und Fässer aus Eiche seit Jahrhunderten in Weinkellern verwendet.
Massive, geölte Eichenholzregale stellen bei den heute empfohlenen Luftfeuchtigkeitswerten von 60 bis 75 % keinerlei Problem dar. Selbst bei höheren Werten sind keine konstruktiven Schwierigkeiten zu erwarten, sofern eine ausreichende Luftzirkulation vorhanden ist und sich kein Kondenswasser bildet.
Für moderne Weinkeller sind sowohl hochwertige Eichenholzregale als auch Kombinationen aus Holz und Metall beliebt. Sie verbinden eine ansprechende Optik mit hoher Stabilität und Langlebigkeit.
Fazit
Die hohe Luftfeuchtigkeit historischer Bordeaux-Keller ist vor allem ein Ergebnis der traditionellen Fasslagerung. Eichenfässer profitieren von einer feuchten Umgebung, da sie weniger austrocknen und geringere Verdunstungsverluste aufweisen.
Für die Lagerung von Weinflaschen sind solche Werte jedoch nicht erforderlich. Bereits eine Luftfeuchtigkeit von über 50 % reicht aus, um Naturkorken ausreichend feucht und elastisch zu halten. Moderne Weinkeller werden deshalb meist mit einer relativen Luftfeuchtigkeit von etwa 60 bis 75 % betrieben. Dadurch bleiben Korken geschützt, während gleichzeitig Schimmelbildung an Etiketten, Kartons und Holzkisten vermieden wird.
Für die langfristige Reifung hochwertiger Weine sind vor allem eine konstante Temperatur, geringe Temperaturschwankungen und insgesamt stabile Lagerbedingungen entscheidend.